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Briefchen

Seemanns-(Sehn.) Sucht

Wer gießt Blut durch mene Adern
wer schickt Vögel übers Meer?
Ach ich harre schon so lange
heimatlos und sehnsuchtsschwer...
(Subway zo Sally - Seemannslied)

Ich habe das Lied im Hafen von Helsinki gesummt, als schwere Eisschollen auf dem grauen Wasser trieben. Das Eis war wild, fast laut. Wie die Sehnsucht in mir. Ich bin nicht mehr heimatlos, aber immernoch voller Sehnsucht, eine Seemannsfrau im Geist. Es reicht mir oft nicht, das Alltagsleben, ich möchte in See stechen, frei sein im grauen Nordwind, irgendwo da draußen, wo es keine Begrenzungen gibt. Atme ein. Atme aus. Ich bin das Meer. Die Flut. Das berstende Eis. Drowning my mind.

Sehn: Sucht.

Gestern haben wir geschrieben. Du, meine einzige Verbindung nach Valenciennes. Du hast mich zu einem Konzert in meine alte Résidence eingeladen. Je voudrais bien. Mais j'ai plus de vacances. Schrieb ich. Früher wären sicher Semesterferien gewesen. Ich hätte meine Sachen gepackt und wäre direkt bis nach Aachen gefahren, dann weiter nach Lille. Nun muss alles genau strukturiert werden, es ist keine Zeit für Spontaneität. Peut - être en été. On verra. Und weiter an den Schreibtisch. Doch solange die Seemannsfrau noch in See sticht und der Mohn blüht wird mich keine Struktur wirklich bändigen. Heureusement.

 

9.4.10 17:22
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


wellenschlag / Website (23.4.10 19:48)
Mit der eingeschränkten Freiheit kämpfe ich dieser Tage auch. Immer dieselbe Strecke fahren, 9 Stunden Bürowände und dann wieder zurück. Man muss die Tätigkeit in diesen vier Wänden schon sehr lieben, um es länger als ein paar Monate dort auszuhalten.

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