Standort

Über Mohn &
Wacholder


Briefchen

Spiegel

Manchmal, wenn ich unbedacht an einem Spiegel vorbeigehe, wenn ich ungestellte Fotos von mir sehe auf denen ich ernst schaue, dann verwechsle ich mich kurz mit Dir. Das ist ein skurriles Gefühl. Früher haben wir beide immer vehement bestritten, dass wir uns ähnlich sehen. Ich, weil das für mich automatisch hieß, dass ich viel älter aussah als ich war, Du eher aus Prinzip ‒ wie immer, wenn Dir jemand eine Meinung nahelegen will.

Ich finde immer noch, dass wir sehr unterschiedlich sind. Aber manchmal sind wir uns wirklich verdammt ähnlich. Manchmal lache ich so wie Du und halte mir dann schnell den Mund zu, weil es so skurril ist. Und muss dann noch mehr lachen. Wahrscheinlich habe ich auch meinen "bösen Blick" von Dir. Früher wurde ich damit aufgezogen, das hat mittlerweile aufgehört. Aber Du schaust nach wie vor oft kritisch ‒ meist sogar ohne konkreten Anlass. Wenn Du aus dem Urlaub wiederkommst, hast Du manchmal zwei ungebräunte, helle Streifen auf Deiner sonst ganz braun gebrannten Stirn, weil Du sie so oft in so skeptische Falten legst.

Ich habe mittlerweile vor der Realität kapituliert. Ich sehe Dich im Spiegel, sehe die unscheinbaren Übergänge zwischen dem Gestern, dem Heute und dem Morgen und bin ein wenig stolz. Und ich freue mich über Deine Spinnereien, Deine Verrücktheit, Deine Irrationalität, dass wir immer noch fast jeden Tag telefonieren und wieder im gleichen Ort wohnen.

Ich hoffe, dass in mir ganz viel von Dir steckt. Und: Ja ja. MWOW.

3.7.17 11:05
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Kategorien:

Mohn
Wacholder