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Garage Beat

Alles fokussierte sich allein darauf. Dieses Geräusch, dieses Vibrieren im Fuß und fast zeitgleich im ganzen Körper, in den Ohren. Es elektrisierte. Mal um Mal trat er fester gegen den abgewetzten Lederball, Mal um Mal traf der Ball stärker auf das metallene Garagentor und Tritt für Tritt krachte der harte Ball lauter gegen das Tor. Dann, wenn das Krachen laut genug war, konnte es die wütenden Schreie übertönen, die trotz des geschlossenen Küchenfensters auf den Hof drangen. In dem Moment, in dem der Fuß auf den Ball traf, verschwand die restliche Welt, war er nur vor der Garage, war voller Konzentration und Erwartung auf den unmittelbar folgenden Knall gegen die Metallwand, war er weit entfernt von der Küche und den Stimmen hinter dem Fenster. Und die Euphorie des metallenen Lärms dämpfte für eine kleine, aber wichtige Anzahl von Sekunden alles um ihn herum, die Trommelfelle schwangen vor Glück und die wenigen Sekunden reichten aus bis zum Zurückprallen des Balls, bis zum nächsten Tritt, bis zum nächsten Krachen gegen das Tor. Er zählte - dreizehn - vierzehn - er versuchte, das Krachen noch weiter ansteigen zu lassen, hatte das Gefühl, dass es ihm gelang. Zweiundzwanzig - dreiundzwanzig - alles laut, alles taub, alles dumpf. Bei fünfunddreißig griff ihm die Hand in den Jackenkragen im Nacken. Die Tür hatte er nicht gehört, sie musste zeitgleich mit dem Ball am Garagentor aufgekracht sein. Der Ball rollte ins Leere, doch das Vibrieren des Garagentors klang noch nach. Es schüttelte ihn, ein wütender Mund klappte vor seinen Augen auf und zu, doch eine Weile noch blieb alles taub, alles dumpf. Die Arme taten ihm weh. Alles laut. Alles dumpf. Fünfunddreißig, dachte er. Ein neuer Rekord.
10.5.17 22:16
 


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