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Briefchen

mémoires d'une jeune fille rangée.

Auf dem Garagendach meiner Eltern sammelte sich oft der Regen, wenn ich hinausblickte, konnte ich mich in den Tropfen spiegeln, man sah mich und den Laternenmast. Du gehörst für mich immer noch zu diesem Dach, diesem Regen, Du und Dein altes Auto, in dem wir Stunden verbrachten, bis meine Füße kalt wurden und das letzte germanistische Zitat verklang. Manchmal saßen wir am Eßzimmertisch, zitierten weiter und wärmten Windbeutel in der Mikrowelle auf, die dann natürlich zu Windbeutelsuppe wurden. In meinem Samtrock verfing sich der Herbst, als wir unsere Runden drehten. Ich habe immer an dieser Freundschaft festgehalten und vielleicht ist dieses Festhalten immer noch der Grund, warum ich Dir noch nicht gesagt habe, wie traurig ich manchmal bin, dass unsere Wege sich zu verzweigen scheinen. Und wer weiß, vielleicht führt es uns doch wieder zueinander, dieses manchmal abenteuerliche Leben. Deswegen sage ich nichts, denke an das Garagendach, an Kleist, und an all die betrunkenen Tequilamomente. Es sammelt sich weiterhin der Regen und vielleicht wärmen wir irgendwann Torten in der Mikrowelle auf. Nur ohne Kleist, dafür mit neuen Erfahrungen.

3.5.17 15:01
 


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