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Briefchen

Entre nous

Das Knacken im Telefon legte sich über die Jahre zwischen uns. Es kam ganz langsam, fast vorsichtig, doch irgedendwann wurde es unaufhaltsam. Dabei waren wir einmal Freundinnen. Elf Jahre lang. In der Schule  hatten wir viel zu erzählen. Wir diskutieren über pädagogische Themen oder schmachteten Edward Norton an. Nach dem Abitur kam die Stille, ganz langsam, aber stetig. Du bist weggezogen, um eine Ausbildung zu machen. Irgendwann schlichen sich lange Pausen in unsere Gespräche, mit Aha und Uhu. Wie gehts Deinen Eltern, fragtest du. Gut, sagte ich, und Deinen? Ich hatte ein ganz anderes Leben. An der Universität ging alles schnell, ich rauchte und trank auch gern mit meinen Kumpels. Ich lebte schnell und intensiv. Dafür hattest Du nur einen vorwurfsvollen Blick übrig. Ich habe Dir nie erzählt, dass ich auf Parties mit Frauen knutschte und mit Ingo im unteren Schloss Tequila in mich kippte. Es gibt Vieles, was ich Dir hätte erzählen können, doch bei unserem letzten Treffen hattest Du nur einen bösen Spruch für mich. Und die Stille. Knack. Das war der Endpunkt. Seitdem halte ich diese Stille in den Fingern. Ich gehe nicht an mein Telefon. Ich will mich nicht erklären müssen, für etwas so lange Bestehendes. Ich will Dich nicht verletzen, und trotzdem ist es besser, nichts zu sagen, als das, was ich eigentlich sagen will.
13.11.09 22:06
 


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