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Briefchen

Himmelmeer

Ein fiktives Meer zu Lord of the Losts "Adonai"

 

Das Meer war grau mit Himmelherbst in den Tropfen des Regens. Sie stand dort und grub die Schuhspitzen in den Sand, als könnte dieser sie aufessen, verschlingen und verbergen. Ein kurzer Moment der nagenden Angst. Sie streckte die Hand aus. Die Luft war feucht, war herbstlich, wenn sie einatmete, zog es in ihrer Nase. Vielleicht zog nur die Erinnerung, ein Himmelmeersog, grau und drückend.

 

Als sie ihn traf, war sie auf dem Weg zur Arbeit, in der Bahn pfiff der frühe Halbschlaf sein träges Lied. Die Großstadt starrte ins Leere. Seine kalten blauen Augen trafen sie wie ein Magnet. Sie redeten kurz über Belangloses, er funkelte sie an, seltsam und doch anziehend. Fremd und doch vertraut. Nach den ersten Rosen und Sektflaschen tanzten sie Walzer vor der Fensterfront seiner Wohnung, sein kühler Blick auf ihren nackten Schlüsselbeinen. Fast schon sezierend, als wäre sie bald nur noch ein Skelett, Knochen für Knochen. Blick für Blick. Nachts zog er seine filigranen Finger über ihren Rücken, sie wurden kurzzeitig warm und aus seinen Augen wich der kühle Frost.

 

Keine Beziehung, sagte er immer. Nie gehabt. Nie gewesen. Die Liebe - ein Konstrukt aus Angst. Eine Illusion der Menschheit. Sie verfiel trotzdem den Umarmungen vor den Fenstern. Hauchte ihm Worte ins Ohr, als könnte sie ihn erwärmen, irgendwann. In einem Monat. In einem Jahr. Am Ende der Zeit. Aus seinen Worten erwuchs ein Eispalast. Er taute nie. Irgendwann fühlte sie kalte Finger an ihrem Rücken. Als sie von Verliebtheit sprach, zogen diese Finger ihre Haare vor der Fensterfront und quer durch die Wohnung. Am nächsten Tag war sie am Meer.

 

Der Regen verging, die herbstliche Luft erwärmte sich von der Sonne, die Blätter golden, der Herbst umarmend. Es war Zeit, den kühlen Fremden loszulassen. Die Haare wachsen nach, dachte sie, rot schimmernd von den Sonnensprenkeln. Der Eisprinz wandert ins Meer. In den Sog. Hoffentlich für immer.

 

 

 

Viq am 30.4.17 12:55


Ans Meer

Kein Rauschen kündigt es an, keine große Welle, kein Sturm. Langsam spühlt es sich zurück ans Land, vage, zögernd, aber es kommt und die Ebbe zieht sich zurück. Irgendwann sind Wellen sichtbar, irgendwann das Wasser hörbar. Es ist zurück, das Meer.
Am Strand wurden die Beine vom langen, unbewegten Stehen taub und gaben nach. Die Hände gruben im Buchstabensand, gruben tiefer, tiefer, als würden sie einen Grund erreichen wollen. So vieles ist durch die Finger geronnen in all den Jahren, so viele Worte, so viele Sätze, so viel Sand. Doch was bringt uns die Wehmut? (Vieles. Oh, so vieles.) Sie bringt uns doch nichts. (Und bringt uns alles.)
Das Meer ist zurück. Stehen wir auf. Blicken wir nach vorn. Das Meer ist zurück und das Rauschen ist da. Werfen wir uns in die Fluten. Bannen wir die Sätze. Hören wir aufs Rauschen. Geben wir ihm Papier. Es wird Zeit für neue Worte. Es wird Zeit, das Meer ist wieder hier.
Rique am 27.4.17 22:02


"Hello" is just a click away

Wir sind wieder da. Sechs Jahre später schreibe ich Sätze in dieses vertraute Fenster mit dem blauen Header. Es ist viel passiert, wir stolperten vielleicht auf dem Weg, aber wir sind angekommen. In verschiedenen Städten, unterschiedlichen Berufen. Doch verbindet immer noch das Schreiben, die Witze über Veljanov, seine Fingergeste, seine Frisur. Wir sind älter geworden und im Moment hadere ich ganz manchmal mit diesem Alter, andererseits sind wir immer noch kreativ und auf Kurs. Nun sind wir die, die alle Lieder auf der Tanzfläche kennen und besonnen für Ordnung sorgen können. Achtung, Ordnung, wir sind erwachsen. Aber das literarische Meer ist hier.
Viq am 22.4.17 14:07


Rique am 19.6.11 20:01


Wräs of Barbs

Zweipunktbarbe ist ein Aquarienfisch. Das Lied von Wumpscut heißt "Wreath of barbs". Und auf Englisch heißt der Fisch "Odessa barb".  Odessa ist überall. Mohn und Wacholder gehen nun in die Matrix. Zweipunktbarben haben wohl zwei Punkte. Auf der Seitenansicht ist einer. Und wenn er auf der anderen Seite zwei hat? (Ich bin nicht im Flow.) Ich auch nicht.

Wir gehen jetzt. Let your body beat. And your barb.

Rique et Viq am 8.4.11 20:32


Vierter Text.

Ich habe drei Texte angefangen. Fuite stand da. Flucht. Meine Gedanken sind wie immer im Frühling. Sie wirbeln um die französischen Plattenbauten und um Dich. Ich wollte kein Wort mehr verlieren, weil ich unsere Geschichte so oft wiederholte, jedes Detail niederschrieb. Jedes Schuldgefühl. Fast jedes Wort war in meinem Kopf. Auf der Festplatte sind so viele Texte. Gedankenfetzen. Verzweifelte Versuche, Dich zu behalten. Gedichte mit Metaphern. Ich habe Dich gelesen, Dich auf die Bühne gekotzt. Und so lange vermisst. Nun sind es drei Jahre ohne Dich und es ist, als wärst Du manchmal nur noch ein leises Geräusch, eine Erinnerung. Als hätte ich unsere Zeit nur geträumt. Ich bin in diesen drei Jahren rasend schnell erwachsen geworden. Ich dachte, ich würde Dich immer vermissen. Doch es hat größtenteils aufgehört. Nur manchmal ist es noch dort, das kleine subtlle Stechen in meiner Brust. Ich wollte nichts mehr schreiben, weil ich dabei pathetisch werde, manchmal traurig. Doch ich kann Dich nicht ganz streichen. Für die Dauer eines Textes, für den Atemzug der Erinnerung kehrst Du doch immer wieder zurück. Weniger präsent, wie ein ferner Traum aus einer anderen Welt. Da war ein Junge, erzählte ich neulich. Er hatte dieselbe Krankheit. Und er hatte sich leider. In mich verliebt.

Viq am 31.3.11 19:32


Zwei-elf

Schreibe groß und ordentlich. Schreibe auf und ordne dich. Halte den Strom der Zeit bis er bricht. Sieh nicht auf die Uhr. Schreibe, wenn du kannst. Liebe das Papier. Da sind keine fehlenden Worte. Denk dir neue hinzu. Schreibe mit alten das Alte hinfort.
Es gab dieses Mädchen. Ich mochte sie sehr. Gern hätt ich sie näher gekannt. Aber sie war ein Dreckstück.
Ich widme ihr diese Zeile.
Nicht mal die hat sie verdient.

Die Striche des Stifts sind die Adern.
Es pocht dir ein Text, dort im Hirn.
Kein Zögern, kein Zweifeln, kein Hadern.
Schreib dir das Wort von der Stirn.
Liebe das Papier.
Sei zum Schreiben hier.

Rique am 15.3.11 20:58


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