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Über Mohn &
Wacholder


Briefchen

Rique am 19.6.11 20:01


Wräs of Barbs

Zweipunktbarbe ist ein Aquarienfisch. Das Lied von Wumpscut heißt "Wreath of barbs". Und auf Englisch heißt der Fisch "Odessa barb".  Odessa ist überall. Mohn und Wacholder gehen nun in die Matrix. Zweipunktbarben haben wohl zwei Punkte. Auf der Seitenansicht ist einer. Und wenn er auf der anderen Seite zwei hat? (Ich bin nicht im Flow.) Ich auch nicht.

Wir gehen jetzt. Let your body beat. And your barb.

Rique et Viq am 8.4.11 20:32


Vierter Text.

Ich habe drei Texte angefangen. Fuite stand da. Flucht. Meine Gedanken sind wie immer im Frühling. Sie wirbeln um die französischen Plattenbauten und um Dich. Ich wollte kein Wort mehr verlieren, weil ich unsere Geschichte so oft wiederholte, jedes Detail niederschrieb. Jedes Schuldgefühl. Fast jedes Wort war in meinem Kopf. Auf der Festplatte sind so viele Texte. Gedankenfetzen. Verzweifelte Versuche, Dich zu behalten. Gedichte mit Metaphern. Ich habe Dich gelesen, Dich auf die Bühne gekotzt. Und so lange vermisst. Nun sind es drei Jahre ohne Dich und es ist, als wärst Du manchmal nur noch ein leises Geräusch, eine Erinnerung. Als hätte ich unsere Zeit nur geträumt. Ich bin in diesen drei Jahren rasend schnell erwachsen geworden. Ich dachte, ich würde Dich immer vermissen. Doch es hat größtenteils aufgehört. Nur manchmal ist es noch dort, das kleine subtlle Stechen in meiner Brust. Ich wollte nichts mehr schreiben, weil ich dabei pathetisch werde, manchmal traurig. Doch ich kann Dich nicht ganz streichen. Für die Dauer eines Textes, für den Atemzug der Erinnerung kehrst Du doch immer wieder zurück. Weniger präsent, wie ein ferner Traum aus einer anderen Welt. Da war ein Junge, erzählte ich neulich. Er hatte dieselbe Krankheit. Und er hatte sich leider. In mich verliebt.

Viq am 31.3.11 19:32


Zwei-elf

Schreibe groß und ordentlich. Schreibe auf und ordne dich. Halte den Strom der Zeit bis er bricht. Sieh nicht auf die Uhr. Schreibe, wenn du kannst. Liebe das Papier. Da sind keine fehlenden Worte. Denk dir neue hinzu. Schreibe mit alten das Alte hinfort.
Es gab dieses Mädchen. Ich mochte sie sehr. Gern hätt ich sie näher gekannt. Aber sie war ein Dreckstück.
Ich widme ihr diese Zeile.
Nicht mal die hat sie verdient.

Die Striche des Stifts sind die Adern.
Es pocht dir ein Text, dort im Hirn.
Kein Zögern, kein Zweifeln, kein Hadern.
Schreib dir das Wort von der Stirn.
Liebe das Papier.
Sei zum Schreiben hier.

Rique am 15.3.11 20:58


Inventur 2010 - Eich wird langsam bleich

Dies ist mein Lernziel,
dies ist die Klasse
und hinten der Fuzzi,
der sitzt und schreibt.

In seinem Koffer
Stifte und Marker,
runzelnde Stirn
und böser Blick

Dies ist die Uhr,
dies sind die Zeiger,
und meine Stimme,
die zittert ganz leicht.

Dies ist das Zimmer,
danach sind es Worte,
"Sie haben das Lernziel
so gar nicht erreicht"

Die armen Schüler
so schwere Fragen,
so viel zu tun
und so wenig Zeit

Dies ist  mein Blatt,
ich starre darauf.
Dies ist das Zimmer.
Dies ist das Wort.

mare.litterarum am 24.10.10 13:37


Traumwaschgang

Die Heizung hat ein Leck. Draußen eine stille Großstadt und ein Nachbar schnarcht. Ich warte. Vor dem Fenster zieht der Herbst das Leben aus den Bäumen und gibt ihnen Farbe. Der Backofen macht kein Geräusch. Ab und an halte ich die Hand hinein um zu prüfen, ob er überhaupt warm wird oder nur das Licht geht an diesem Morgen. Ich zähle die Minuten.
Ganz langsam -

es wird schon

ein kleines bisschen Panik
ich muss nur
ein kleines bisschen Angst
nach vorne
und weiß nicht
mach die Augen zu
der Zweifel
sei ruhiger
der Zweifel
vertrau doch
der Zweifel
halt stiller
schreit mir ins Ohr -

zähl ich die Minuten.
Später dampft ein Aufbackbrötchen. Draußen eine stille Großstadt und der Nachbar schweigt. Der Herbst nagt an den Blättern, die Luft riecht bald nach Schnee.

Rique am 24.10.10 10:56


Feierabend.

Meine Haare wehen im Luftzug. Ich fahre hoch. Die Rolltreppe surrt leise vor sich hin. Das grelle Licht schlägt mir entgegen. Gleich bin ich oben. Es ist Abend. Das Seminar ist zu Ende. Während meine Nase unter dem Luftzug kalt wird, träume ich Nicht etwa von Reisen, sondern von alltäglichen Dingen, die heute bedeutend sein könnten, nach einem langen Tag im Kastengebäude des Studienseminars. Ich hätte gerne einen Tee. Ein Aufbackbrötchen. Und Schlaf. Vielleicht läuft auch Germany's next Topmodel, damit ich mein Gehirn für heute ins Regal stellen kann. In Gedanken unter der kalten Luft liege ich schon auf der Couch und ich spreche mit der Rolltreppe, damit sie schneller fährt. Meine Träume sind heute simpel und äußerst alltäglich. Ich setze einen Fuß auf den grauen Boden. Ich träume vom Dampf des Brötchens. Bald bin ich da.

Ey alta gumma. Ne Referendarin. Gumma da. Hallohallo.

Ich erschrecke. Sogar aus diesen Träumen reißt man mich. Das gibt Abzug, Alter. Gleich morgen. 

Viq am 21.6.10 13:42


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