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Wacholder


Briefchen

Ans Meer

Kein Rauschen kündigt es an, keine große Welle, kein Sturm. Langsam spühlt es sich zurück ans Land, vage, zögernd, aber es kommt und die Ebbe zieht sich zurück. Irgendwann sind Wellen sichtbar, irgendwann das Wasser hörbar. Es ist zurück, das Meer.
Am Strand wurden die Beine vom langen, unbewegten Stehen taub und gaben nach. Die Hände gruben im Buchstabensand, gruben tiefer, tiefer, als würden sie einen Grund erreichen wollen. So vieles ist durch die Finger geronnen in all den Jahren, so viele Worte, so viele Sätze, so viel Sand. Doch was bringt uns die Wehmut? (Vieles. Oh, so vieles.) Sie bringt uns doch nichts. (Und bringt uns alles.)
Das Meer ist zurück. Stehen wir auf. Blicken wir nach vorn. Das Meer ist zurück und das Rauschen ist da. Werfen wir uns in die Fluten. Bannen wir die Sätze. Hören wir aufs Rauschen. Geben wir ihm Papier. Es wird Zeit für neue Worte. Es wird Zeit, das Meer ist wieder hier.
Rique am 27.4.17 22:02


"Hello" is just a click away

Wir sind wieder da. Sechs Jahre später schreibe ich Sätze in dieses vertraute Fenster mit dem blauen Header. Es ist viel passiert, wir stolperten vielleicht auf dem Weg, aber wir sind angekommen. In verschiedenen Städten, unterschiedlichen Berufen. Doch verbindet immer noch das Schreiben, die Witze über Veljanov, seine Fingergeste, seine Frisur. Wir sind älter geworden und im Moment hadere ich ganz manchmal mit diesem Alter, andererseits sind wir immer noch kreativ und auf Kurs. Nun sind wir die, die alle Lieder auf der Tanzfläche kennen und besonnen für Ordnung sorgen können. Achtung, Ordnung, wir sind erwachsen. Aber das literarische Meer ist hier.
Viq am 22.4.17 14:07


Rique am 19.6.11 20:01


Wräs of Barbs

Zweipunktbarbe ist ein Aquarienfisch. Das Lied von Wumpscut heißt "Wreath of barbs". Und auf Englisch heißt der Fisch "Odessa barb".  Odessa ist überall. Mohn und Wacholder gehen nun in die Matrix. Zweipunktbarben haben wohl zwei Punkte. Auf der Seitenansicht ist einer. Und wenn er auf der anderen Seite zwei hat? (Ich bin nicht im Flow.) Ich auch nicht.

Wir gehen jetzt. Let your body beat. And your barb.

Rique et Viq am 8.4.11 20:32


Vierter Text.

Ich habe drei Texte angefangen. Fuite stand da. Flucht. Meine Gedanken sind wie immer im Frühling. Sie wirbeln um die französischen Plattenbauten und um Dich. Ich wollte kein Wort mehr verlieren, weil ich unsere Geschichte so oft wiederholte, jedes Detail niederschrieb. Jedes Schuldgefühl. Fast jedes Wort war in meinem Kopf. Auf der Festplatte sind so viele Texte. Gedankenfetzen. Verzweifelte Versuche, Dich zu behalten. Gedichte mit Metaphern. Ich habe Dich gelesen, Dich auf die Bühne gekotzt. Und so lange vermisst. Nun sind es drei Jahre ohne Dich und es ist, als wärst Du manchmal nur noch ein leises Geräusch, eine Erinnerung. Als hätte ich unsere Zeit nur geträumt. Ich bin in diesen drei Jahren rasend schnell erwachsen geworden. Ich dachte, ich würde Dich immer vermissen. Doch es hat größtenteils aufgehört. Nur manchmal ist es noch dort, das kleine subtlle Stechen in meiner Brust. Ich wollte nichts mehr schreiben, weil ich dabei pathetisch werde, manchmal traurig. Doch ich kann Dich nicht ganz streichen. Für die Dauer eines Textes, für den Atemzug der Erinnerung kehrst Du doch immer wieder zurück. Weniger präsent, wie ein ferner Traum aus einer anderen Welt. Da war ein Junge, erzählte ich neulich. Er hatte dieselbe Krankheit. Und er hatte sich leider. In mich verliebt.

Viq am 31.3.11 19:32


Zwei-elf

Schreibe groß und ordentlich. Schreibe auf und ordne dich. Halte den Strom der Zeit bis er bricht. Sieh nicht auf die Uhr. Schreibe, wenn du kannst. Liebe das Papier. Da sind keine fehlenden Worte. Denk dir neue hinzu. Schreibe mit alten das Alte hinfort.
Es gab dieses Mädchen. Ich mochte sie sehr. Gern hätt ich sie näher gekannt. Aber sie war ein Dreckstück.
Ich widme ihr diese Zeile.
Nicht mal die hat sie verdient.

Die Striche des Stifts sind die Adern.
Es pocht dir ein Text, dort im Hirn.
Kein Zögern, kein Zweifeln, kein Hadern.
Schreib dir das Wort von der Stirn.
Liebe das Papier.
Sei zum Schreiben hier.

Rique am 15.3.11 20:58


Inventur 2010 - Eich wird langsam bleich

Dies ist mein Lernziel,
dies ist die Klasse
und hinten der Fuzzi,
der sitzt und schreibt.

In seinem Koffer
Stifte und Marker,
runzelnde Stirn
und böser Blick

Dies ist die Uhr,
dies sind die Zeiger,
und meine Stimme,
die zittert ganz leicht.

Dies ist das Zimmer,
danach sind es Worte,
"Sie haben das Lernziel
so gar nicht erreicht"

Die armen Schüler
so schwere Fragen,
so viel zu tun
und so wenig Zeit

Dies ist  mein Blatt,
ich starre darauf.
Dies ist das Zimmer.
Dies ist das Wort.

mare.litterarum am 24.10.10 13:37


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